Wi ut Schleswig-Holstein - Heimatgeschichten

 

Die "Steenbock-Brücke" zwischen Horst und Hohenfelde

Von Johann Körner und Hans-Otto Nöhren

 

Im Bokelsesser Torfmoor haben zwei Bäche ihren Ursprung, die für die Entwässerung der Gemeinde Horst sorgen. Der "Düpsgraben" ("Düp" bedeutet Tiefe) verläuft südlich von Horst Richtung Marsch und Elbe. Im Norden können wir den offenen "Horstgraben" verfolgen. Er kennzeichnet die Ortsgrenze zwischen Hohenfelde und Horst und verläuft über Grönland und Dükermühle zur Elbe. Im Bereich des jetzigen Eichenhofs soll sich um 1300 eine Kapelle am Horstgraben befunden haben, die von Horstern und Hohenfeldern zusammen genutzt wurde. Ein Damm durch die Niederung und ein Steg ermöglichten den Zugang zur Kirche von der Hohenfelder Seite. Nach Erzählungen trennten sich die Hohenfelder und Horster nach einem Gottesdienst mit anschließender Schlägerei und jede Gemeinde bildete ihr eigenes Kirchspiel. Danach wurde der "Horstgraben" zu verschiedenen Zeiten durch Furt, Steg oder Dammstelle überwunden.

 

Nach dem Eisenbahnbau um 1850 meinten sparsame Hohenfelder Bürger, daß der Weg über die Wiesen des "Horstgrabens" zum Horster Bahnhof nicht viel weiter sei als die Straße zum Bahnhof Dauenhof. Der Fahrpreis von Horst nach Hamburg war zudem noch 20 Pfennige günstiger als von Dauenhof nach Hamburg. Daher baute man einen Steg über den "Horstgraben", der so stark war, daß er eine Person und eine mit Eierkörben beladene Schubkarre tragen konnte. Der Weg auf der Hohenfelder Seite führte von der Kirche durch das Kirchmoor und dann über die Wiesen zum "Horstgraben". Auf der anderen Seite wurde der Wirtschaftsweg des Bauern Adolf Hachmann I (Heisterender Chaussee 11) genutzt.

 

Damit aus dieser Überwegungsgewohnheit kein Wegerecht abgeleitet werden konnte, stellte Adolf Hachmann einmal im Jahr ein Verbotsschild auf. Dies tat er jedoch nur, wenn die Wiesen ohnehin durch Überschwemmung unpassierbar waren. Von den Heisterender Familien wurde der Weg nach Hohenfelde gern genutzt, um von dort mit dem Bus nach Itzehoe zu fahren. Im Zuge der Motorisierung verlor der Feldweg zwischen Horst und Hohenfelde allmählich an Bedeutung. Die Hohenfelder Eierhändler fuhren mit dem Bus nach Elmshorn und weiter mit dem Zug nach Altona, um ihre Geschäfte zu machen. Jugendliche benutzten den Weg noch lange als kurze Verbindung zwischen den Orten. Die Hohenfelder fuhren mit dem Fahrrad nach Horst zum "Kindergrün", zum Jahrmarkt oder Tanzvergnügen. Umgekehrt kamen auch die Horster gerne über diesen Weg zum Ball nach Hohenfelde.

Von links nach rechts: Kreispräsident Rösler, Bürgermeister Wulf (Hohenfelde) und Bürgermeister Dr. Kröger (Horst) bei der Brücken-Einweihung 1982

Nach 1950 verlor diese Abkürzung durch weitergehende Motorisierung an Bedeutung. Der Steg wurde nicht mehr Instand gehalten, er war auch bei der maschinellen Grabenreinigung ein Hindernis und verschwand somit. Durch die Schließung der Hohenfelder Schule und den Neubau der Jakob - Struve - Schule am Heisterender Weg wurde die alte Verbindung wieder ein Thema. 1980 wurde durch den Bau der Autobahn 23 eine Änderung der Wirtschaftswege in diesem Bereich vorgenommen. Die teilweise privaten Wege wurden öffentlich und befestigt. Nun waren die Bedingungen für einen Schulweg auf der Horster Gemeindeseite ideal. Die Gemeinde Hohenfelde unter dem damaligen Bürgermeister Ernst Wulf schaffte mit großem Engagement auf der Hohenfelder Seite ebenfalls die Voraussetzungen für eine Reaktivierung der alten Verbindung. Sie erwarben vom Landwirt Stobbe Ratjen eine Fläche im Bereich des Überganges und ließen vom Technischen Hilfswerk Itzehoe eine vorläufige Holzbrücke erstellen. Nun konnte der Schulweg genutzt werden.

 

Der Sielverband "Rhingebiet" gab die Genehmigung für eine feste Überquerung des Horster Grabens. Der damalige Amtsvorsteher Johann Steenbock stellte eine ausgediente LKW - Waage zur Verfügung, die durch die Gemeinde Hohenfelde verlängert und mit einem Geländer versehen wurde. Die Gemeinde Hohenfelde ließ die Fundamente erstellen und die Brücke mit einem Kran aufsetzen.

Insgsamt kostete es ca. 45000 DM, die hauptsächlich von der Gemeinde Hohenfelde und dem Amt Horst bereitgestellt wurden, um den Fuß- und Radweg zwischen den Gemeinden wieder befahrbar zu machen. Der Horster Baumschuler Wilfried Sievers stellte die Heckenpflanzen zur Verfügung, die als Windschutz und Begrünung dienen.

 

Am 29.08.1982 war dann der große Tag: Der Hohenfelder Bürgermeister Ernst Wulf und der Horster Bürgermeister Dr. Heinz Kröger zerschnitten das Band und eröffneten im Rahmen eines Volksfestes mit Bürgern, Vereinen und Spielmannszügen aus beiden Gemeinden die "Steenbock-Brücke". Der Schulweg wird nun von Schülern, Spaziergängern und Radfahrern stark genutzt. Der Weg ist insgesamt 4 km kürzer und die Gemeinden sind auf diese Weise wieder etwas näher zusammengerückt. Die Radwanderkarte, die den restaurierten historischen Ochsenweg nachzeichnet, bietet den Weg über die "Steenbock-Brücke" von Lägerdorf nach Horst als lohnenden Exkurs an, um der alten Trasse zu folgen.


Otto Nöhren & Sohn GmbH & Co KG
Bahnhofstraße 9, 25358 Horst (Holstein) Tel.: 0 41 26 / 14 55, Fax: 0 41 26 / 17 89
Email: otto-noehren@online.de